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Chron. Rückenschmerzen und Krafttraining 
 
Überblick Dr. U. Steinmann

In der medizinischen Literatur findet man selten Berichte über Rückenschmerzen im Altertum. Die Römer trafen sich in den Thermalbädernhauptsächlich zur Körperpflege und Hygiene, zur Geselligkeit und Trunk, und nicht etwa, weil sie an Rheuma litten. Wegen der dominierenden Rolle der Infektionskrankheiten wie Tbc, Typhus, Lepra, Syphilis sowie Problemen wie Unterernährung war auch im Spätmittelalter kaum Literatur über Rückenschmerzen zu finden. Erst der Übergang von der arbeitstechnisch vielseitigen Agrarwirtschaft zur Industrialisierung mit Durchführen zunehmend monotoner Arbeit führte zu Gelenk- und Rückenbeschwerden. Behandelt wurden diese Leiden mit Schröpfen, Strecken, Massieren und Baden. 1850 wurde erstmals eine Kräftigungsmethode nach Henrik Ling erwähnt. Der Begründer der schwedischen Heilgymnastik führte mit dem Patienten dosiert gebremste Bewegungen durch, sogenannte Widerstandsbewegungen. Der schwedische Arzt Gustaf Zander entwickelte 1885 medico-mechanische Apparate, die als Prototyp der Trainingsgeräte von heute angesehen werden können. Der Hebelarm war mit verschiebbaren Gewichten versehen und bewegte sich in einer Ellipse. Damit liessen sich Muskelkontraktionen bei variablem Widerstand ausführen, das Gewicht nahm während des Fortschreitens der Bewegung zu. So wollte man erstmals die Muskelkraftkurve imitieren. Ziel dieser Therapie war die Muskelkräftigung bei Patienten, die durch Infekte und Operationen immobilisiert und dadurch geschwächt waren. Zander gründete 1890medico-mechanische Institute in ganz Europa, auch in Genf und Ragaz. Diese ersten Kräftigungsgeräte konnten sich jedoch nicht durchsetzen: Wegen des ersten Weltkrieges musste die Firma Göransson Mekanikain Stockholm die Geräteentwicklung zugunsten der Waffenproduktion stoppen. Zudem verdrängte die aufkommende Chemieeuphorie nach Entdecken des Aspirins und später des Cortisonsdie Muskelkräftigungstherapie für ein halbes Jahrhundert.

In den 70-er Jahren entwickelte der Amerikaner Arthur Jones Kraftgeräte, die er Nautilus, Muschel, nannte, wegen der Form des Cams. Das Cam ist Herz und wichtigster Teil eines Kraftgerätes, denn über diesen ovalen Diskus mit nicht zentrierter Fixation verläuft die gewichttragende Kette. Im Gegensatz zum Zahnrad wird durch den varierenden Radius des Cams das Nettogewicht winkel- und muskellängenabhängig verändert.

Die Weiterentwicklung der Nautilusgeräte führte durch Arthur Jones zur MedX- Technologie, dem heutigen Standard.  

In meinem Praxisalltag treffe ich vor allem ein breites Spektrum von Rückenschmerz-Patienten: 12 bis 90 jährige, alle Berufe sind vertreten, Frauenhäufiger anzutreffen als Männer. Alle Patientenwaren wiederholt in Physiotherapien :Es wurden immer passive Massnahmen durchgeführt, Haltungsturnen wurde nicht immer geschätzt, das Heimprogramm selten diszipliniert fortgesetzt. Fast all diese Patienten haben Erfahrung mit Chirotherapie, Rückenschule, Akkupunktur, Craniosacraltherapie. Häufig besteht arbeitsunfähigkeit. Unter diesem Patientenkollektiv zeichnet sich ein eindeutiges Risikoprofil für Rückenschmerzen ab.

Risikofaktoren DIA

Körperbau (Skoliose, Bandlaxität, Muskelschwäche, Übergewicht )
Arbeit / Freizeit  
Psyche / Soziales (Raucher, Depression)  
Intelligenz / Charakter (Rückendisziplin, Durchhaltevermögen) 

Um in Zukunft Kosten einsparen zu können, sollten diesen RisikopatientInnen früh mehr Beachtung geschenkt werden.

5 % der Rückenschmerzpatienten klagen länger als 3 Monate über Schmerzen. Sie sind für 85% der Kosten verantwortlich.Bei Invalidenrenten stehen chron. Rückenschmerzen als Ursache der Berentung nach psychischen Erkrankungen an 2.Stelle.Die chron. Rücken- und Nackenschmerzen gehören somit zu den häufigsten Erkrankungen in der zivilisierten Welt. Die Ursachen  sind so vielfältig wie das Fehlverhalten. Dr. Dejung aus Winterthur sieht in den Muskeltriggerpunkten zu 90 % die  Ursache der langdauernden Rückenschmerzen. Prof Hoogland aus München dagegen will seit der Existenz der MRI-Untersuchungsmethode die Bandscheibe zu 90 % für das Schmerzsyndrom verantwortlich machen. Gesichert ist jedoch die Tatsache, dass eine zu schwache Muskulatur die Schmerzen verstärkt und für eine Vielzahl von schmerzhaften Sekundärfolgen verantwortlich ist. Durch die Haltungsschwäche können die alltäglichen Aufgaben nicht erfüllt werden, Verspannungen treten auf. Zusätzliches rückenfeindliches Benehmen schädigt Wirbelgelenke und nützt Bandscheiben ab.

Der Mensch wächst auch am Widerstand, die Muskulatur nur am Widerstand.

Um Kraft aufzubauen, muss der Widerstand bis zum Erreichen der Normalkraft kontinuierlich vergrössert werden.

Nach dem 40.- 50. Altersjahr stellt man am eigenen Körper fest, dass ein beträchtlicher Teil der von der Natur mitgegebenen Kraftreserve erschöpft ist. Das beobachten die Hobbysportler zuerst, und sie wissen auch, weshalb man im Fussball z.B. mit 28 Jahrenden Senioren zugeteilt wird. Bei Nichtsportlern und erst recht nach jahrelangem muskulären Faulenzen oder bei Schmerzpatienten, die sich schonen, sind diese Kraftreserven schon früher aufgebraucht. Will man die Muskulatur kräftigen, muss man sie bis zur momentanen Erschöpfung belasten. Erst mit dem Erreichen dieser Ermüdungsgrenze wird jener Reiz gesetzt, der den Muskelaufbau auslöst. Der Kraftzuwachs kommt nur jenem Muskel zugute, dessen Belastungsgrenze erreicht wurde. Deshalb bewirkt ein Ausdauertraining kein Muskelwachstum, sondern eine gute Kreislaufleistung. Auch eine intensiv durchgeführte Gymnastik kräftigt nur sehr bescheiden, führt jedoch zu besserer Beweglichkeit. Die medizinische Kräftigungstherapie muss ausgewogen und rückenspezifisch sein. Man wird müde. Deshalb kann weder einleitend noch anschliessend ein Ausdauertraining durchgeführt werden.

Um bei Patienten die Gelenke so wenig wie möglich zu belasten, müssen die Geräte optimal konstruiert sein. Als Goldstandard gilt die Marke MedX . Für das allgemeine Kräftigungstraining existieren 26 verschiedene Maschinentypen.Jede Gerät ist für das Training eines bestimmten Bewegungsablaufes konstruiert. Es trainiert die entsprechendeMuskelgruppe über ihren gesamten Bewegungsumfang gegen einen präzise einstellbaren Widerstand. Während des Trainings passt die Maschine in jedem Bewegungswinkel den Widerstand automatisch den physiologischen Verhältnissen der jeweiligen Muskeln und Gelenken an. Die Übungen werden langsam und ohne Schwung oder Würgen durchgeführt. So ist ein Training ohne Schmerz oder Verletzungsrisiko gewährleistet. 

Beim Rückentraining ist in erster Linie die Rehabilitation der Muskulatur, ihre Steuerung durch Rekrutierung der Nerven und letztlich die Leistungsfähigkeitwichtig, damit eine Arbeit wiederaufgenommen werden kann. Für diese medizinische Kräftigungstherapie braucht es viel Zeit und Motivation von Arzt und Therapeut. Während der Kräftigungstherapie können Schmerzen und Reizzustände als Störfaktoren auftreten, die den Wiederherstellungsprozess bremsen. Mit Medikamenten und Lokalinfiltrationenkönnen diese Schübe unterbunden werden. Ein jahrelanges Dekonditionning-Syndromkann erst nach einem drei bis sechsmonatigen Kräftigungstraining korrigiert werden.Wir müssen kleine, erreichbare Ziele setzen, um die Patienten nicht zu deprimieren. Anweisungen für das Eigentraining im Kräftigungszentrum und Heimübungen müssen genau instruiert werden. Das für den Lumbalbereich wichtigste Kräftigungsgerät der Firma MedX ist der LE.  

Mit diesem Hightechgerät   ist es möglich, eine exakte Funktionsdiagnostik, Kraftmessung und Therapie vorzunehmen. Die Messung ist akkurat und reproduzierbar, weil

die Zielmuskulatur (Lumbalextensoren) isoliert wird durch Beckenfixation  
die Gravitation kompensiert wird
Weichteilspannung und die Nettomuskelkraft gemessen wird
isometrisches Testen über den ganzen Bewegungsumfang möglich ist
exzentrische und konzentrische Uebungsausführung möglich

Nur durch die vollständige Beckenisolation mit Ausschluss der Glutaealmuskulatur und der Hamstrings können die Lumbalextensoren und die tiefe autochtone Rückenmuskulatur isoliert gekräftigt werden. Vor allem die Multifidi-Muskelgruppe ist für die Segmentstabilität enorm wichtig. Kontraindikationen für dieses Gerät sind: Reduzierter Allgemeinzustand bei Infektionskrankheit, Knochenmetastasen, einerheumatische Entzündung im Schub, das Cauda equina Syndrom, sowie zunehmende Schmerzen oder akute neurologische Ausfälle. 

Eine relative Kontraindikation ist die ausgeprägte Osteoporose. 

Zusammenfassung
Ein Patient mit chron. Rückenschmerzen sollte zuerstärztlich und physiotherapeutisch kontrolliert während ungefähr 3 Monaten mit dem computerisierten MedX LE-gerät und 4-5Exercise-Geräten (Abdominal, Rotary etc.) therapiert werden. Anschliessend kann er selbständig unter Supervision mit ungefähr 10Geräten 2 mal wöchentlich trainieren. Das nicht gleichentags durchgeführte Ausdauertraining erfolgt im Freien mit Gehen, Velofahren etc.Bei ungenügendem Therapieerfolg nach6 Monaten ist ein operativer Eingriff in Erwägung zu ziehen, der immerhin bei gebessert emphysischen Zustand eine schnellere Rehabilitation zur Folge haben wird.Der Vorbeugung müsste grösste Bedeutung zukommen. Jeder Mensch muss seinem Bewegungsapparat und speziell seinem Rücken mehr Aufmerksamkeit schenken. Damit wird das Gleichgewicht Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit erhalten bleiben.

U.S.